Ägäis, Pilíon I, 1990

Hiroshi Sugimoto ist kein Romantiker, sondern ein Forscher und Suchender. So ist auch dieses Bild nicht als romantisches Seestück zu verstehen, sondern als Teil einer Serie, mit der Sugimoto dem archaischen Anblick des Meeres nachforschte. Sie sehen daher: keinen Frachter, kein Boot, kein Windrad, keine Boje, kein Flugzeug – nirgends eine einzige Spur des Menschen, nur das Meer, die Luft und das Licht.

Sugimotos Fotos gehen dabei meist aus einer intensiven, manchmal tagelangen Beobachtung hervor. Bei ihm scheint sich das fotografische Grundprinzip umgekehrt zu haben: Statt den Bruchteil einer Sekunde aus der Zeit zu isolieren, versucht er, deren unbegrenzte Ausdehnung vorstellbar zu machen und das Dauerhafte und „Überzeitliche“ festzuhalten. Er nutzt dafür eine hundert Jahre alte Großformatkamera, meist mit sehr kleiner Blende und entsprechend langen Belichtungszeiten – und er fotografiert nur schwarz-weiß. Die Ergebnisse sind in ihrer großartigen Einfachheit und Strenge ebenso unspektakulär wie faszinierend, stellen aber vor allem eine Schule der inneren und äußeren Beobachtung dar.

© Hiroshi Sugimoto


Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier
63,5 × 81 cm
Inv.-Nr. DZF 15
DZ BANK Kunst Sammlung im Städel Museum