Aquis submersus, 1919

Aquis submersus bedeutet „im Wasser versunken“. So heißt eine Novelle von Theodor Storm, in der er vom tragischen Verlauf einer verbotenen Liebesbeziehung und dem Tod des gemeinsamen Kindes erzählt. Als Max Ernst an dieser kleinen Leinwand arbeitete, stand er an der Schwelle zur surrealen Kunst. Konkret reagiert er auf die unwirklich-magischen Welten des italienischen Malers Giorgio de Chirico in dessen „pittura meta-fisica“. Deren hier aufgenommene Merkmale sind unter anderem die starke Zentralperspektive mit den überdeutlichen Fluchtlinien, die Raumbildung durch vereinfachte architektonische Gebilde, die Schlagschatten und die Uhr am oberen Bildrand. Die Regungslosigkeit der Objekte und Wesen ist vermeintlich stabilisierend, jedoch de facto beunruhigend. Surreal ist die Verweigerung einer stringenten Logik. Nehmen Sie als Beispiel die Uhr: Sie hängt am Himmel, oder ist es eine Wand? Im trüben Wasser spiegelt sie sich wiederum als Mond. Fragen nach dem Raum werden also ebenso wenig beantwortet wie die nach der Bedeutung der teils ironischen Bildelemente.

© VG Bild-Kunst


Öl auf Leinwand
54 × 44 cm
Inv.-Nr. SG 1244

Digitale Sammlung