Bergkönig, 1958 – 61 (1971)

Beuys macht es dem Betrachter nicht leicht und dies ist Teil seiner künstlerischen Absicht. Er will gedanklich herausfordern, um zur „Bewusstseinserweiterung“ beizutragen – über das Sozialleben, die Entwicklung des Menschen, die Natur und das Dasein, das sich dem puren rationalen Denken nicht erschließt.

Der Bergkönig gehört thematisch zu einer Reihe von Werken, in denen Beuys Bezüge zu Volksmythen verarbeitet. Bergkönige waren in den Sagen oft Könige der Vergangenheit, die im Inneren eines Berges fortlebten und von dort in Notzeiten wiederkehren könnten. Von daher ist diese Skulptur eine Chiffre für archaische, im Verborgenen fortlebende Mythen. Gleichzeitig ist sie aber eine menschliche Figur. Dass der Kopf vom Leib getrennt ist, ist ein Hinweis auf seine Souveränität – der Bergkönig ist für Beuys auch der Musterfall eines Menschen, der ein höheres Bewusstsein erlangt hat. „Der Höhlenaspekt, in der Legenden und Folklore des Berges ihren Ursprung haben“ (Beuys), führt damit ins Innere des Menschen. „Mein Interesse liegt im Psychologischen, das im Physiologischen eingelagert ist“, sagte Beuys selbst zu diesem Werk. Nehmen Sie es als Hinweis – als glatte Symbole, Bedeutungsträger sind Beuys’ Werke nie zu verstehen. Sie reißen Gedanken an, die Sie für sich weiterführen können.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© VG Bild-Kunst, Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Bronze, zweiteilig
31 × 83 × 130 cm
Inv.-Nr. DBP002
Sammlung Deutsche Bank im Städel Museum