Bildnis des Papstes Julius II., 1511–12

Im Sommer 1511 benötigte Papst Julius II. neue, aktuelle Porträts. Der fast 70-jährige, von seinen Gegnern respektvoll „papa terribile“ genannte Kirchenfürst war von schwerer Krankheit genesen, doch viele zweifelten, ob er sein Amt tatsächlich noch ausüben könnte.

Den politisch wichtigen Auftrag für ein aktuelles Porträt erhielt Raffael, der zur selben Zeit auch an der Ausmalung der päpstlichen Repräsentationsgemächer im Vatikan, den Stanzen, arbeitete. Dort hatte er Julius bereits in der Rolle von Papst Gregor IX. in einer offiziellen Audienzszene porträtiert, angetan mit den liturgischen Gewändern, mit Chormantel und Papstkrone und umgeben von zahlreichen Höflingen. Im Tafelbild schildert er den Papst auf sehr viel persönlichere und unmittelbarere Weise. Wir selbst finden uns als Betrachter in die Rolle des Bittstellers während einer päpstlichen Privataudienz versetzt. Ehrfurcht gebietend präsentiert sich der greise Julius als Pontifex maximus, den Fischerring und weitere Preziosen an den Fingern, ein Tuch in der Hand, das auf das zeremonielle Textil verweisen soll, mit dem antike Konsuln und Kaiser im Zirkus die Spiele eröffnet hatten. Raffael begründete mit diesem Papstbildnis eine Bildtradition für die Darstellung hoher Geistlicher, die für Jahrhunderte Geltung haben sollte.

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Pappelholz
105,6 × 78,5 cm
Inv.-Nr. 2337