Bildnis des Simon George of Cornwall, um 1535–40

Mit diesem Bild bewarb sich der englische Adelige Simon George um die Hand einer standesgemäßen jungen Frau. Dafür steht traditionell die rote Nelke. Aber in dem eleganten Mann mit Porzellanteint steckt mehr Leidenschaft, als es zunächst scheint – ein versteckter Hinweis deutet darauf hin. Doch der Reihe nach: Was sehen Sie auf den ersten Blick? Ein virtuos ausgeführtes Porträt, ein typischer Holbein – ein Gemälde des Basler Malers, der 1536 zum Hofmaler Heinrichs VIII. ernannt wurde.

Er malte präzise und treffend und vermochte alle Arten von Oberflächen in feinstem Realismus wiederzugeben, wie auch hier zu sehen ist, zum Beispiel beim Obergewand aus schwarzer Seide mit Samtkragen und gesteppten Ornamenten auf dem Ärmel. Auch die Kopfbedeckung mit Feder und Applikationen ist bewundernswert gemalt. Dort befindet sich eine ovale Schmuckspange mit einem ungewöhnlichen Motiv – Leda und der Schwan. Mit der Szene, wie sich der Göttervater Jupiter in Gestalt eines Schwans mit der Königstochter Leda vereint, offenbart der Porträtierte seine verborgenen Wünsche. Während er mit der roten Nelke artig um die Hand einer möglichen Ehekandidatin anhält, ist er zugleich erfüllt von sexuellem Begehren. Hinter der höfischen Etikette schlummert also einiges mehr – und in welch malerischer Delikatesse formuliert!

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Eichenholz
Durchmesser: 31 cm
Inv.-Nr. 1065