Bildnis eines Mannes mit Falken, um 1445‒50

Mit großer Sorgfalt sind die Gesichtszüge des „Mannes mit Falken“ ausgeführt; die feinen Striche des Silberstiftes verschmelzen zu einer lebendigen Oberfläche. Die besondere Konzentration auf das Gesicht deutet darauf hin, dass die Zeichnung dazu diente, die Physiognomie für ein gemaltes Porträt festzuhalten. Bei dem verwendeten Silberstift handelt es sich um eine Zeichenmine aus einer Silberlegierung; er wurde vor allem in der Frühzeit des Zeichnens, im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts, verwendet. Sein Gebrauch ist aufwendig, denn das Papier muss zunächst mit einem Kreidegrund präpariert werden, damit die Metallspitze ihre feinen, kostbar wirkenden Linien hinterlassen kann. Der Porträtierte trägt einen Hut aus zwei Pelzsorten, der Jagdfalke auf seiner linken Hand könnte ihn als Angehörigen eines hohen gesellschaftlichen Standes kennzeichnen oder auch das Zähmen von Falken als seinen Beruf angeben. Städel-Leiter Johann David Passavant erkannte um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Qualität dieses Blattes und erwarb es für die Sammlung des Städel. Die heutige Forschung schreibt den „Mann mit Falken“ einem bedeutenden Künstler der unmittelbaren Nachfolge Jan van Eycks zu, dem Brügger Maler Petrus Christus.

Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Silberstift auf grundiertem Papier
190 x 144 mm