Blumen und Keramik, 1913

Das Bild trägt den schlichten Titel Blumen und Keramik – aber so einfach ist es nicht. Denn dieses Stillleben will von Ihnen anders betrachtet werden als klassische Stillleben, das heißt, Sie müssen umdenken: nicht mehr nur die Gegenstände betrachten und verstehen, sondern auch die Farben – das vitale, bewusst komponierte Farbgeschehen auf der Leinwand. Aber was heißt das?

Matisse hat Gegenstände aus seinem Atelier vor Augen gehabt, als er an dieser Leinwand arbeitete: einen Blumentopf, einen bemalten Keramikteller sowie ein Blatt Papier – vielleicht eine Druckgrafik? –, das etwas unter den Teller geschoben ist. Diese Gegenstände sind eng zusammengerückt, jedoch in verschiedenen Perspektiven wiedergegeben. Während wir die Blumen und den Tisch, auf dem sie stehen, von der Seite sehen, betrachten wir Teller und Papier von oben. Das bedeutet das Ende der Raumillusion, mit deren Perfektionierung sich die europäische Malerei über Jahrhunderte so intensiv beschäftigt hatte. Zumindest spielt Matisse hier damit. Aber warum? Er möchte die Leinwand als die Fläche betonen, die sie in Wirklichkeit ist. Farben – Farbnuancen des Blau beispielsweise –, Linien und Formen arrangiert er so, dass eine rein malerische Harmonie entsteht, eine Schönheit jenseits der Gegenstände also, die ihn zu einem Bild inspirieren. Diese neue Form von Schönheit setzt das Flächige über das Räumliche und war seinerzeit heftig umstritten.

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© VG Bild-Kunst, Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Öl auf Leinwand
93,5 × 82,5 cm
Inv.-Nr. SG 1213