Concetto Spaziale – Attese (Räumliches Konzept-Erwartungen), 1962/63

Bild oder Objekt? Dieses Werk ist beides und noch mehr. Fontana war Avantgardist und die treibende Kraft eines der ersten Manifeste, der europäischen Nachkriegskunst, das sinnigerweise in Argentinien entstand. Das Weiße Manifest (1946) plädierte für die Abkehr von den traditionellen Gattungen und Materialien; für eine Befreiung der Kunst aus ihren räumlichen Grenzen. Fontana hat damit wesentlich zur Erweiterung des Kunstbegriffs der europäischen Neo-Avantgarden beigetragen.

„Concetto Spaziale – Attese“ gehört in die zwischen 1958 und 1966 entstandene Werkgruppe der Tagli (Schnitte). „Gemalt“ hat Fontana in dieser Zeit nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Messer. Einerseits Akt der Aggression und Verletzung, wirken die Schnitte trotzdem elegant, ausgewogen und wohlproportioniert. Das entscheidende Motiv für die Messerattacke ist die Öffnung der Fläche in den Raum. Das Bild bekommt Objektcharakter. Und statt einer nur illusionierten Bildtiefe gehört nun tatsächlich der Raum hinter und vor der Bildfläche zu diesem, in die Realität sich erweiternden Werk.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© VG Bild-Kunst


Öl auf Leinwand, vierfach aufgeschnitten, rückseitig verklebt
92 × 73 cm
Inv.-Nr. SG 1240