Coup de Pied (Fusstritt), 1960

Dies ist ein Bild, das niemand gemalt hat: Der Künstler präsentiert ein auf Leinwand fixiertes Fundstück aus der Realität – eine Werbefläche, deren übereinandergeklebte Schichten aufgerissen wurden, von wem auch immer. Das Ergebnis ist ein Gemisch aus schmutzigen Farbflächen, Buchstaben und dem Rest einer konkreten Figur: einem zum Fußtritt erhobenen Bein (Coup de Pied).

Die sinnlose Überlagerung von Bildern und Texten erscheint wie eine Referenz auf die moderne, reizüberflutete, oft genug fragmentierte Gegenwart. Hains greift mit seinem Verfahren der Decollage das klassische Tafelbild an, denn seine Methode kombiniert die künstlerisch bewusste Auswahl des Künstlers mit dem Prinzip des Zufalls und setzt die Malerei so mit anderen Mitteln fort. Damit war er seinerzeit nicht allein. Hains gehörte wie auch Yves Klein, Jean Tinguely und Daniel Spoerri zu den Mitgliedern der 1960 gegründeten Gruppe Nouveaux Réalistes. Die Gruppe knüpfte an Dada und Surrealismus an und grenzte sich vehement von der gegenstandslosen Kunst ab und entwickelte einen eigenen, das klassische Tafelbild erweiternden Bildbegriff. Die Neuen Realisten stützten sich dagegen kompromisslos auf die Realität, auf den Alltag als ihr künstlerisches Material und den Inhalt ihrer Kunst zugleich.

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© VG Bild-Kunst


Plakatabriss auf Leinwand
103 × 110 cm
Inv.-Nr. 2284
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.