Das Paradiesgärtlein, um 1410–20

Ein strahlender Sommertag. Maria sitzt in einem Garten und liest in einem Gebetbuch. Das Jesuskind musiziert, ein Engel und zwei Heilige singen, eine Frau pflückt Kirschen … Wer hat diese Idylle gemalt? Es ist bis heute nicht möglich gewesen, den Maler, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts am Oberrhein tätig war, zu identifizieren. Das Bild ist aber ein Meisterwerk seiner Zeit.

Die erzählreiche Fülle verbindet sich mit einer für die Zeit atemberaubend korrekten Naturdarstellung: 19 Pflanzen und zwölf Vogelarten, Fische, Schmetterlinge und Libellen sind botanisch bzw. zoologisch präzise wiedergegeben. Sie dienten der Ausschmückung eines eigentlich traditionellen religiösen Bildes, das für die individuelle Andacht seines Auftraggebers bestimmt war. Es feiert Kernmotive der spätmittelalterlichen Glaubenswelt wie die Jungfrauengeburt des Kindes (durch das Motiv des von einer Mauer umschlossenen Gartens) oder die Heiligen, die alle durch ein ihnen beigegebenes Attribut bestimmbar sind (so etwa Michael mit dem als Affe dargestellten Teufel oder Georg mit dem Drachen). Doch in seiner besonderen Gestaltungsweise ist das Bild weit mehr als ein bloßes religiöses Gemälde – man konnte davor beten, aber auch die Wirklichkeit der diesseitigen, sichtbaren Welt entdecken.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.


Eichenholz , 26,3 × 33,4 cm
Inv.-Nr. HM 54
Leihgabe des Historischen Museums Frankfurt

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