Der bittere Trank, um 1636–38

Im Barock waren in den Niederlanden derb-anekdotische Genrebilder besonders beliebt. Bessergestellte Städter schmückten damit ihre wohlgeordneten Stuben. Der überwiegend in Antwerpen tätige Adriaen Brouwer war ein Spezialist für Bauern- und Wirtshausszenen und brachte es darin zu einer Meisterschaft, die auch von seinem berühmten Kollegen Peter Paul Rubens geschätzt wurde.

Während die Bürger selbst die Affektbeherrschung des Adels imitierten, erfreuten sie sich an den Darstellungen der ungebremsten Emotionen und groben Sitten der einfachen Leute. Um einen solchen unverstellten Gefühlsmoment geht es auch hier: Das Getränk schmeckt offensichtlich abscheulich. Wie abscheulich, spiegelt das Gesicht. Die Augen zusammengekniffen, den Mund weit aufgerissen – man kann sich vorstellen, was für einen groben Fluch der Bursche ausstößt. In früheren Darstellungen der fünf Sinne wurde der Geschmack immer durch edle, wohlschmeckende Speisen verbildlicht. Brouwer macht dagegen die Bitterkeit durch die heftige Reaktion im Gesicht des Bauern sichtbar, was durch den lockeren, skizzierenden Pinselstrich noch unterstützt wird.


Eichenholz
47,4 × 35,5 cm
Inv.-Nr. 1076

Digitale Sammlung