Deux saltimbanques / Zwei Gaukler, um 1865/70

Honoré Daumier wurde vor allem durch seine sozialhistorisch bedeutenden Lithografien im Bereich der Zeitungskarikatur bekannt. Mit scharfer Beobachtungsgabe kommentierte er in unzähligen Werken den rasanten Wechsel der politischen Ereignisse in Frankreich, die Welt der Advokaten sowie die Freuden, Schrecken und Ängste der Bürger. Die Prägnanz seiner satirischen Ideen war für Daumiers Erfolg ebenso entscheidend wie sein außerordentliches zeichnerisches Talent. Mit sparsamen Mitteln und herausragendem Einfühlungsvermögen schildert er die melancholische Szene zweier in die Jahre gekommener Gaukler. Mit skizzenhaftem Duktus beschreibt er die beiden abseits der Öffentlichkeit. Der eher rundliche Gaukler hat sich gesetzt und wendet sich mit baumelnden Beinen seinem schlanken Partner zu. Dieser wirkt resigniert. Die in dunklen Schatten liegenden Augenhöhlen betonen die in sich gekehrte Reflexion. Immer wieder befasste sich Daumier mit der Welt der Gaukler. Während er das Spektakel des Jahrmarkts gern am Beispiel der Parade vorführte, die um das Publikum wirbt, zeigte er den Gaukler als eine eher stille, einsame Figur – ein Sujet, das im 20. Jahrhundert von Künstlern wie Picasso und Beckmann aufgegriffen wurde.

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Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Feder, grau laviert, auf geripptem Bütten
241 x 156 mm
Eigentum Städelscher Museums-Verein e. V.