Die Argonauten, 1990

Kaum ein deutscher Maler hat sich so intensiv mit Politik und Geschichte auseinandergesetzt, mit dem verdrängten Erbe des Dritten Reichs, der Kabbala, der westlichen wie östlichen Religions- und Ideengeschichte. Sein Interesse richtet sich dabei auch auf die prägenden Texte der Bibel, der antiken Mythologie oder der Kabbala. Doch entwickelt der Künstler sein Werk nicht auf konzeptioneller Ebene - im Gegenteil: Er beginnt mit der Herstellung und entdeckt erst nach und nach die inhaltlichen Möglichkeiten.

Dies gilt auch für die Argonauten. Dem Mythos zufolge zog Jason mit dem Schiff Argo und seinen 50 stärksten Kämpfern los, um das goldene Vlies für seine Familie zurückzuerobern. Kiefer berichtet, er habe zunächst mit Elementen wie Zähnen, Scherben und Kleidern gearbeitet, bevor er die Bezüge zum Mythos entdeckte: „Jason muss die Zähne eines getöteten Drachens aussäen ... Da haben wir die Zähne. Oder es wird erzählt, wie sich Medea an Glauke rächte, der zweiten Frau Jasons. Sie schenkt ihr ein schönes Kleid, das vergiftet war. Als sie es anzieht, löst sie sich sofort in nichts auf … Da haben wir das Kleid.“ Das Werk zwischen Tafelbild und Relief ist auf diese Weise assoziativ zu deuten, aber nicht zu „erklären“.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© Anselm Kiefer, Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Acryl, Asche, Blei, Drahtbügel, Glas, Kreide, Kunststoff-Figuren, Lehm, Öl, Porzellan, Schlangenhaut, Stroh, Textilien und Zähne auf Leinwand
280 × 500 cm
Inv.-Nr. SG 1278