Die Einschiffung nach Kythera, um 1709–10

Worum mag es in dieser Szene gehen? Es ist die Zeit des frühen Rokoko. Der Adel zieht sich zunehmend ins Private zurück und gibt sich gerne betont elegant – für unser heutiges Empfinden teils sehr geziert. Am Ufer eines Gewässers haben sich junge Leute von Stand zusammengefunden. Sie wollen sich von dem bereitliegenden Boot nach Kythera bringen lassen, zu der im Hintergrund angedeuteten Insel der Venus, die dort dem Meer entstiegen sein soll. Dort soll ein galantes Fest stattfinden – ein Fest der Liebe, das mutmaßlich über Konventionen und höfische Förmlichkeiten hinausgeht. Watteau malte dieses Bild dreimal; dies ist die älteste Fassung. Das gesellige Leben des Adels jenseits strenger Etikette war seine bevorzugte Motivwelt.

Bilder wie diese brachten ihm nicht nur Erfolg und den akademischen Titel eines „Peintre des Fêtes galantes“, sondern begründeten auch eine neue Motivgattung, die sich bis zu den Impressionisten hinzieht – Bilder, die ein heiteres Zusammensein in der Natur zeigen. Die Anregung zu diesem Bild kommt vom Theater. Und wie die Menschen hier mit ihren leuchtenden, kostümartigen Kleidern aufgestellt sind – das hat tatsächlich viel von Schauspielerei. Auch die vielen Amoretten zeigen: Real ist das alles nicht. Die Insel der freien Liebe – ein erotischer Traum des Rokoko.

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Leinwand
44,3 × 54,4 cm
Inv.-Nr. 2150

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