Die Familie des Künstlers, 1927

Otto Dix ist einer der Protagonisten der bereits ab 1925 so bezeichneten Neuen Sachlichkeit. Während und nach dem Ersten Weltkrieg nahm er zunächst an der Dada-Revolte teil und trat dann für eine Kunst ohne falsche Gefühle ein – sprach sich gegen eine Kunst der Verschleierung oder der Flucht in Illusionen aus. Fokussiert hat der aus Gera stammende Maler sich auf die Menschen seiner Zeit. Was aber bedeutet es, „sachlich“ zu malen? Dix ging vom Individuum aus, um einen Typus zu treffen. Sachlich im Sinne einer reinen Dokumentation sind seine Bilder daher nie – oft übertreibt er die Wesensmerkmale bis ins Hässliche und Böse.

Bei diesem Gemälde der eigenen Familie bedient Dix sich nicht nur altmeisterlicher Lasurmalerei auf Holz, sondern bezieht sich sogar auf alte Altarbilder. Seine Frau Martha thront wie Maria über allen. Sie beugt sich inniglich über den neugeborenen Knaben, der wie ein Jesuskind den Mittelpunkt bildet. Tochter Nelly streckt von hinten eine symbolische Nelke ins Bild, der Kopf des Vaters zwängt sich von der Seite herein. Die Familie ist „heil“, wie die biblische heilig war. Sieht Dix in ihr sein Glück? Auf jeden Fall malte er die Szene nicht schmeichelnd, sondern derb wie auf einem niederländischen Genrebild, was auch für die Darstellung seiner selbst gilt: ungekämmt, mit grobem Schädel und verschobenem Gebiss.

© VG Bild-Kunst


Öl auf Holz
80 × 50 cm
Inv.-Nr. 2065
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Digitale Sammlung