Die Mystische Vermählung der heiligen Katharina (Vorderseite einer doppelseitig bemalten Tafel), 1628

Der Legende nach war die frühchristliche Märtyrerin Katharina eine Königstochter aus Zypern. Schön und allen Männern intellektuell überlegen, bekehrte sie sich zum Christentum. Sinnbild ihrer Verbindung zu Christus ist die mystisch erfahrene Vermählung Katharinas mit dem Christusknaben. Diese Szene ist seit dem 14. Jahrhundert oft gemalt worden, aber selten so bewegt und detailreich wie von Rubens. Ihm schauen Sie hier gleichsam bei der Arbeit zu.

Mit dieser Ölskizze nämlich bestimmte Rubens die Konzeption des Hochaltarbildes der Augustinerkirche in Antwerpen so genau, dass er anschließend die Figuren auf die vielfach größere Bildfläche übertragen konnte – man betrachte die Markierungen am unteren Bildrand. Doch wie viel Genialität steckt nicht nur in der komplexen, personen- und handlungsreichen Konzeption, sondern auch in den leichten, flüssigen Pinselstrichen! Jeder Schatten, jede Aufhellung, jede Bewegung sitzt. Jeder Strich lebt, jede Nuance atmet die Impulsivität einer Skizze und ist dennoch präzise, plastisch und sicher im Ausdruck.


Eichenholz
64 × 49,2 cm
Inv.-Nr. 464

Digitale Sammlung