Die Synagoge in Frankfurt am Main, 1919

Das Bild gehört in die Reihe der Stadtansichten, die Max Beckmann bis zu seiner Entlassung als Lehrer an der Städelschule 1933 erarbeitete. Seine Stadtlandschaften geben zwar topografische Sichten wieder, doch greift der Künstler massiv in das Gesehene ein. Schon die dramatisch schiefen Häuser, Fenster und Masten zeigen hier, dass Beckmann nicht von der reinen Anschauung des Börneplatzes mit seiner mächtigen Synagoge ausgeht.

Der biografische Hintergrund der drei Personen vor der Synagoge ist bekannt: Es sind die Freunde Ugi und Friedel Battenberg sowie Beckmann selbst (v. l.), frühmorgens auf dem Heimweg nach einer Karnevalsnacht. In diese „realistische“ Szene bringt Beckmann eine Häufung rätselhafter, nie ganz erklärbarer Symbole: Ein Trichter, wie von einem Grammophon, hängt über dem Platz; zwei Glaskugeln schweben unerklärlich (göttlicher Geist?); eine überdimensionierte Katze in der Haltung des aufmerksamen Beobachtens (Beckmanns „anderes Ich“?); ein Fesselballon. Sonderbar auch der zweifache Mond: am Himmel vor den hellen Wolken, auf der Litfaßsäule vor dunklem Himmel. In diesem aus geometrischen Grundformen – Viereck, Dreieck, Kreis – zusammengesetzten Bild ist nichts eindeutig. Je länger Sie es ansehen, desto tiefer werden Sie in seine Rätsel verstrickt.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Öl auf Leinwand
90 × 140 cm
Inv.-Nr. SG 1239

Digitale Sammlung