Ecce Homo, um 1500

„Seht, welch ein Mensch!“ Pilatus zeigt Jesus der wütenden Menge. Das Blut läuft von dem gegeißelten Körper herab, es tropft auf den Boden. Kann dieser leidende Mensch Gottes Sohn sein? Warum rettet Gott seinen Sohn nicht? Für die Menge ist dies der Beweis dafür, dass er ein Gotteslästerer ist, und deshalb fordert man seinen Tod.

Hieronymus Bosch war nicht der Erste, der diese Szene, die im Johannes-Evangelium geschildert wird, gemalt hat. Doch gibt es der Bildtradition unverwechselbare eigene Züge: Die Schlechtigkeit der den Tod Jesu fordernden Menschen zeigt er in deren fratzenhaften Gesichtern. Zudem versieht er die Gestalten mit Hinweisen auf Heimtücke, Niedertracht und Verkommenheit – die Kröte auf dem Schild, der kuriose Filterhelm oder der Pfeil, der den Stiefel durchsticht, sind Beispiele dafür.

Die Sündhaftigkeit des Menschen und damit zugleich seine Erlösungsbedürftigkeit – dies war das Hauptthema des niederländischen Malers. Die Stifterfiguren, die nur noch schemenhaft am unteren Bildrand zu erkennen sind, werden demgegenüber als Anhänger Jesu geschildert. Dies zeigt die ihnen in den Mund gelegte Bitte „Errette uns Christus, Erlöser!“. Die Stifterfiguren waren fast 400 Jahre lang übermalt und wurden erst 1983 wieder freigelegt.

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Eichenholz
71,1 × 60,5 cm
Inv.-Nr. 1577