Eifersucht, 1913

Hier zeigt sich männliche Eifersucht fast in jedem Pinselstrich. Der Norweger Edvard Munch hat das Sujet der Eifersucht immer wieder aufgegriffen – und keineswegs nur aus allgemeinem Interesse an ihrer Darstellung. Ein Hinweis auf Autobiografisches liefert das Gesicht des linken Mannes: Es ist Munchs Freund Stanisław Przybyszewski, Schriftsteller aus Polen und notorischer Schürzenjäger. Mit ihm teilte Munch zeitweilig das Interesse an der gleichen Frau – entsprechend ist rückzuschließen, dass Munch sich selbst in dem rechten Mann sieht. Doch abstrahiert er die Eifersucht von allen konkreten Bezügen, um Universelles auszudrücken und die Emotion als solche sichtbar zu machen.

Das Bild erzählt folglich keine bestimmte Begebenheit, sondern bildet die klassische Dreieckskonstellation ab. Nicht einmal ein Raum lässt sich erkennen. Die Positionen sind durch die unterschiedliche Farbigkeit der Gesichter voneinander unterschieden. Links scheint es sich um die rasende Eifersucht zu handeln, rechts um die nagende. Und die in unschuldigem Weiß gekleidete Frau dazwischen? Sie wirkt teils passiv-unbeteiligt, teils scheint sie aktiv zu verlocken – Munch empfand Frauen als rätselhaft. Er war einer der großen Individualisten in der Malerei und eine frühe Leitfigur der Expressionisten.

Aktueller Hinweis: Munchs „Eifersucht“ ist vom 6.10.2015 bis 17.1.2016 in der Ausstellung „Edvard Munch“ im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid zu sehen und daher erst nach Ausstellungsende wieder zurück im Städel.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.


Öl auf Leinwand
62,5 × 105 cm
Inv.-Nr. LG 19
Dauerleihgabe aus Privatbesitz