Entwurf zur linken unteren Hälfte der „Disputa“, um 1508‒09

Im Jahr 1508 gelang es dem 25-jährigen, noch verhältnismäßig unbekannten Raffael, einen bedeutenden Auftrag des Papstes Julius II. zu erhalten, die Wandfresken in der „Stanza della Segnatura“, einem neu hergerichteten Repräsentationssaal im Vatikan. Raffael löste diese Aufgabe so überzeugend, dass er rasch zu einem der führenden Künstler der italienischen Hochrenaissance aufstieg.

Die „Stanza della Segnatura“ war als Bibliothek vorgesehen, und ihre Wandgemälde repräsentieren die verschiedenen Gebiete des Wissens: die Theologie, die Philosophie, die Jurisprudenz und die Poesie. Das Fresko der „Disputa“ versinnbildlicht die Theologie als eine Versammlung von Heiligen, Priestern, Gelehrten und Dichtern im Himmel und auf der Erde, die vor der Dreifaltigkeit das Sakrament der Eucharistie, der Verwandlung des Brotes in den Leib Christi während der Messfeier, diskutieren. Die Zeichnung des Städel Museums zeigt die linke untere Hälfte der Komposition. Obwohl die Komposition schon so weit fortgeschritten war, wurde sie bis zur endgültigen Ausführung noch an mehreren Stellen verändert.

Johann David Passavant erkannte die herausragende Bedeutung dieses Blattes, das nicht nur eine meisterhafte Zeichnung ist, sondern auch Aufschluss über die Arbeits- und Denkweise des Künstlers gibt, und erwarb es 1850 für das Städel.


Feder in Braun, zum Teil mit Nadeln durchstochen, das Papier teilweise ergänzt
281 x 416 mm

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