et les papillons se mettent à chanter / und die Schmetterlinge beginnen zu singen, 1929

Aus der Dunkelheit angezogen umschwirren zahlreiche Nachtfalter und kleine Insekten eine brennende Gaslaterne. Der helle Schein lässt jedoch nicht nur das melancholisch anmutende Treiben im Vordergrund erkennen; er öffnet den Blick auch auf dahinterliegende, schaurige Katakomben, aus denen sich aufgerichtete Skelette seltsam und skurril hervorzubeugen scheinen. Für dieses surreale Memento mori – 1929 in seinem erstem Collagenroman „La femme 100 têtes“ erschienen – hatte Ernst behutsam und geschickt zwei Bildausschnitte aus ungleichen Quellen zusammengefügt. Die massenhaft produzierten Holzstich-Illustrationen des 19. Jahrhunderts lieferten ihm reiches Material für seine komplexen Collageromane. Dieses im 20. Jahrhundert durch die fotografische Reproduktion weitgehend verdrängte Bildmaterial war für den Künstler aufgrund seiner grafischen Strukturen interessant, vor allem aber auch aufgrund der umfassenden Welt seiner Motive. Unzählige Bildfragmente führte Max Ernst in seinen Collagen mit technischer Bravour und bildnerischer Reflexion zu außergewöhnlich paradoxen Einheiten von surrealer Poesie zusammen.

© VG Bild-Kunst, Foto: Ursula Edelmann


Illustrationsvorlage zu „La femme 100 têtes“, Paris 1929, Kap. VIII, 120
Collage, 163 x 148 mm
Eigentum Städelscher Museums-Verein e. V.

Digitale Sammlung