Eva, 1881

Rodin erhielt 1880 seinen ersten öffentlichen Auftrag: Er sollte für das geplante Kunstgewerbemuseum in Paris ein Bronzetor schaffen und durfte das Thema dafür frei wählen. Inspiriert von Dantes Göttlicher Komödie entschied sich Rodin für das sogenannte Höllentor. Dieses Vorhaben gab er die nächsten 37 Jahre bis zu seinem Tod nicht mehr auf. Es wurde zur Kernidee für einen großen Teil seines Gesamtwerks – rund 300 einzelne Figuren sind daraus entstanden. Die Eva geht wie ihr Pendant Adam wiederum auf Studien zurück, die Rodin schon zuvor erarbeitet hatte und die nun im Höllentor abermals aufgenommen wurden.

Dargestellt wird der schmerzhafte Moment der Scham durch die Gewahrwerdung der Nacktheit nach dem Sündenfall. Die Figur möchte Brust und Gesicht verbergen. Die linke Hand ist in Abwehrhaltung, als wolle sie sich vor einem Schlag schützen. Zudem zieht Eva in Andeutung eines Zusammenkauerns das linke Bein etwas an, um sich gänzlich zu verbergen. Diese psychologisch ausdrucksstarke Skulptur hat Rodin im akademischen Sinn nicht vollendet. Er verzichtete auf die Veredelung durch Glätte und Glanz und ließ stattdessen die Oberfläche unruhig und rau. Dieses bewusst Unfertige war eines seiner revolutionären Stilmittel, mit denen er zum Urvater der modernen Bildhauerei wurde.

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Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Bronze
175 × 51 × 63,5 cm
Inv.-Nr. St. P 374