Fantasia arabe, 1833

Delacroix nahm 1832 an einer lang ersehnten Reise nach Marokko teil. Vor den Toren von Meknes erlebte er, was auf diesem Bild zu sehen ist: eine Fantasia, ein traditionelles kriegerisches Reiterspiel. Sie sehen also nichts Erdachtes, sondern eine Erinnerung. Das Gemälde spiegelt durch die Komposition und Malweise etwas von der Faszination des Wilden, des hektischen Ereignisses. Während Delacroix der Landschaft weniger Aufmerksamkeit schenkt, konzentriert er sich umso stärker auf die Reiter und Pferde. Eingehüllt von Staub und Pulverdampf, zieht der Maler die Gruppe zu einem Gesamtkörper zusammen. Doch jedes Pferd und jeder Reiter befindet sich in einer anderen Phase des eintrainierten Bewegungsablaufs. So entsteht ein aufgewühltes, ungeheuer dynamisches Getümmel. Doch dann kommt Delacroix’ Clou: In beängstigender Nähe zu den wilden Hufen sitzt ein Beduine auf dem Boden und schaut dem Geschehen entspannt zu − etwa wie wir heute im Kino eine Action-Szene ansehen. Erst dadurch wissen wir als Betrachter: Dies ist nur ein Spiel.

Und trotzdem das pralle Leben! Delacroix strebte nach einer Kunst, die mit so viel „wahrhaftem“ Leben angefüllt sein sollte wie möglich. Damit war er der wichtigste Maler der französischen Romantik und inspirierend für die Impressionisten.


Öl auf Leinwand
60,5 × 74,5 cm
Inv.-Nr. 1466
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.

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