Femme, épaule cassée, 1958/59 (Frau mit Gebrochener Schulter)

Nicht nur die Schulter ist gebrochen (worauf der Titel ausdrücklich hinweist) – die gesamte Frauenfigur wirkt geschunden und verletzlich. Auf dünnen Beinen stehend reckt sie sich schmal und zerbrechlich in die Höhe, fleischlos, in der Oberfläche rissig und borkig. Der doppelt gestufte Sockel bietet ausladenden Halt auf dem Boden – und fixiert die Figur. Die Intention des schweizerischen Bildhauers bleibt zeit seines Lebens die gleiche: den bedrohten Körper im übermächtigen Raum zu verorten – auch in seiner Reduktion.

Die ausgemergelten Figuren werden merkwürdig präsent durch die fast gewaltsame Dezimierung der körperlichen Masse. Ohne Hinweise auf ihre Herkunft, teils nicht einmal auf ihr Geschlecht, verharren sie in einer zeitlosen Allgemeinheit. Nicht von ungefähr sah der Franzose Jean-Paul Sartre in den Skulpturen des Zeitgenossen die Verkörperung seiner existenzialistischen Philosophie.

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© Alberto Giacometti


Bronze
69,5 × 19,5 × 28,5 cm
Inv.-Nr. SGP 216