Flémaller Tafeln, um 1428–30

Die „Flémaller Tafeln“ sind frühe Beispiele einer „technischen Revolution“: Sie sind mit Ölfarben gemalt, was nicht nur einen deckenden Farbauftrag wie in der traditionellen Temperatechnik ermöglicht, sondern auch die Nutzung transparenter Lasuren. So wird nicht nur der Farbauftrag vollkommen vereinheitlicht, sondern es lassen sich nun erstmals auch die unterschiedlichsten Materialien in augentäuschend genauer Art und Weise wiedergeben.

Wer immer diese Bilder gemalt hat, er strebte nach größtmöglicher Wirklichkeitswiedergabe. Der Gnadenstuhl sollte wie eine Skulptur wirken. Bei den farbigen Darstellungen verfolgte der Künstler vermutlich die Absicht, den Betrachter den Eindruck zu vermitteln, er habe eine Vision. Die Bilder zeigen sich mit einem zuvor ungekannten Realitätsgrad – betrachten Sie etwa das von Altersspuren gekennzeichnete Gesicht der Veronika.

Die Bilder gehörten ursprünglich einem großen Flügelaltar, dessen weitere Teile verloren sind. Der Notname des Künstlers, „Meister von Flémalle“, beruht auf einem Irrtum. Weder wurden die Bilder in dem kleinen Dorf nahe Lüttich gemalt, noch haben sie sich jemals dort befunden. Entstanden sind sie in Tournai um 1430 in der Werkstatt des Robert Campin, in der zu dieser Zeit auch Rogier van der Weyden tätig war. Tatsächlich dürfte bei diesem umfangreichen Werk eine Reihe unterschiedlicher Künstler beteiligt gewesen sein.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung hier, hier und hier.


Eichenholz
160,2 × 68,2 cm, 151,8 × 61 cm, 148,7 × 61 cm
Inv.-Nrn. 939, 939A, 939B