Freischwimmer 54, 1994

Die Serie Freischwimmer ist ohne Fotoapparat und Negativ entstanden: Tillmans hat die Fotos direkt in der Dunkelkammer hergestellt. Das Ergebnis ist eine neue Form von nicht gegenständlicher Fotografie, die schwerer zu fassen ist als ein abstraktes Gemälde. Müssen Fotos nicht immer etwas abbilden? Verbirgt sich hinter dem Abstrakten nicht doch etwas Konkretes? Der Betrachter versucht im Bild Vertrautes zu erkennen, doch er muss feststellen: Es gibt nur das, was er sieht, nichts dahinter.

Die Vergrößerung der im Labor entstandenen analogen Vorlage ins Monumentale ist Teil dieses Prozesses. Es ist eine Eigentümlichkeit der Fotografie, die hier natürlich in Konkurrenz zum großen Format der Malerei steht: Die Vergrößerung holt klassischerweise das Detail aus dem Verborgenen. In Tillmans Bild gibt es jedoch kein Geheimnis zu lüften. Vielmehr verführt die Größe der Fotografie dazu, mit den Blicken auf Wanderschaft zu gehen. So „schwimmt“ unsere Wahrnehmung, dorthin, wo nichts begrifflich definiert ist. Die abstrakten Bilder Tillmans’ sind genauso wie seine Fotos von Menschen, Interieurs und Landschaften eine Schule des ideologiefreien Sehens. Sie fordern auf zu einer vorurteilslosen Neugier.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© Wolfgang Tillmans


C-Print, 238 × 181 cm
Inv.-Nr. St.F.3
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V