Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881–1882

Max Liebermann hat viel in dieses Werk investiert: Erst musste er sich lange um die Bewilligung bemühen, im Hof des Amsterdamer Waisenhauses arbeiten zu dürfen. Dann machte er wochenlang Studien vor Ort, setzte sie im Atelier fort, reiste später erneut nach Holland, bevor er endlich, fünf Jahre nachdem er den Plan gefasst hatte, im Herbst 1881 in München mit der Ausführung des Bildes begann. Das Bild zeigt Liebermann als einen Maler, der zwischen den ihm aus Paris bekannten Naturalisten und Impressionisten stand. Das Motiv entspricht seinem Sinn für sozialen Realismus, doch taucht Liebermann die Realität zugleich in eine Atmosphäre friedvoller Ruhe und Harmonie. Die Mädchen haben hier ein Zuhause, sind ordentlich gekleidet, sie spielen und beschäftigen sich – so wirbt das Bild auch für soziale Empathie und sozialreformerische Visionen.

Allerdings war die Stimmung nicht wirklich so malerisch. Sie ist von Liebermann kunstvoll komponiert. So befand sich der im Hintergrund sichtbare Eingang in Wirklichkeit weiter links. Und vor allem gab es an dieser Stelle nicht die lichtdurchlässigen Bäume, aus denen sich erst die „Liebermann’schen Sonnenflecken“ auf Boden, Wänden und Figuren ergeben. Die Suche nach einer harmonischen Moderne – das kennzeichnet den bekanntesten deutschen Impressionisten.


Öl auf Leinwand
78,5 × 107,5 cm
Inv.-Nr. 1351

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