Gefallene Figur (Gefallener Kämpfer), 1971

Der Sieger steht, der Verlierer kriecht am Boden. Trotzdem tritt der Überlegene nach – roh und erbarmungslos, sinnlos und überflüssig. Dabei sind sich beide so ähnlich wie Brüder: Muskeln, Sehnen und Fleisch scheinen am ganzen Körper offen zu liegen, als hätten sie sich gegenseitig zerfleischt. Die Posen der Figuren sind von antiken Skulpturen inspiriert. Damit zielt der Maler auf das Archetypische wie auf prinzipielle Fragen nach der männlichen Macht und Gewalt.

Golubs Kunst hat sich in kritischer Gegnerschaft zu den abstrakten und konzeptuellen Kunstströmungen der 1950er-Jahre entwickelt. Aus einem politisch-ethischen Impuls heraus hielt er am figürlichen Malen fest. Dennoch ist seine Malerei von abstrakten Elementen bestimmt: Die Figuren sind flach, die Hintergründe oft monochrom, der Pinselduktus unmittelbar, informell. Seine Bilder changieren zwischen visueller Faszination und Schrecken. Bewusst hat Golub seinen Fallen Fighter nicht auf einen Rahmen gespannt, sondern die Leinwand hängt schlaff und leicht gewellt herab, gleich einer abgezogenen Haut – die den blutigen Körpern zu fehlen scheint.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© VG Bild-Kunst


Acryl auf Leinen
305 × 274,5 cm
Inv.-Nr. 1111
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.