Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe, 1651

Wie malt man ein Unwetter? In seinem „Buch von der Malerei“ hat Leonardo da Vinci auch dazu Ratschläge gegeben. Der Franzose Nicolas Poussin, der Leonardos Lehrbuch genau kannte, hat hier vieles umgesetzt: Der Sturm biegt Buschwerk und Bäume um, ja selbst die Menschen müssen sich mit äußerster Kraft gegen ihn stemmen, während sie Schutz vor dem Gewitter suchen. Jeder Betrachter sieht daher sofort, von wo das Unwetter aufzieht.

Doch Poussin belässt es nicht bei einem bloßen Sturmgemälde: Er verbindet seine Gewitterlandschaft mit der bekannten Geschichte von Pyramus und Thisbe aus Ovids Metamorphosen und lässt das tumultarische Wettergeschehen das innere Erleben der Thisbe widerspiegeln. Im Vordergrund sehen wir just jenen Schreckensmoment, in dem Thisbe den sterbenden Pyramus entdeckt. Ihr Geliebter hat sich selbst sein Schwert in den Leib gestoßen, weil er glaubte, Thisbe sei von einem Löwen angefallen worden. Verzweifelt die Arme ausbreitend, wirft sich Thisbe gegen den Wind, um sich selbst über dem toten Pyramus zu entleiben. Das wie der Großteil von Poussins Werken in Rom entstandene Gemälde ist nicht nur mit Blick auf das Format das größte Landschaftsbild des Malers. Es ist zugleich eine geniale Verbindung von Naturschilderung und mythischer Erzählung.

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Leinwand
191 × 274 cm
Inv.-Nr. 1849

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