Grand nu (Grosser Akt), 1962

Grand nu – ein Titel, der keinen Zweifel lässt: Fautrier geht es trotz abstrakter Formen einzig um die Wirklichkeit. Für ihn ist sie „der Rohstoff, die Energie, die der Form voraufgeht.“ Zarte, pudrige Farben treffen in der reliefartigen, spröden Mitte auf heftige Pinselstriche - eine enorme Spannung entsteht. Der Franzose klebt zunächst handgeschöpftes Papier auf Leinwand, in der Mitte trägt er helle, extrem dicke Ölfarbe auf, darüber schwungvoll dunkle, verdünnte Farbe. Schließlich stäubt er feine, rosafarbene Pigmente auf die dicke Malschicht.

Die Trennung von Farbe und Impasto betont die Bestandteile der Malerei und damit deren Künstlichkeit. Zudem erscheint das Gemälde in seiner extremen Materialität selbst mehr als Gegenstand, denn als Bild. Fautrier gilt als Begründer des Informel, ein Begriff,den er selbst jedoch entschieden ablehnte. Aus der Kluft zwischen Benennung und Bildeindruck sowie der Mischung aus Schönheit und Irritation, erwächst in Grand nu eine unergründliche Faszination.

© VG Bild-Kunst


Öl und verschiedene Materialien auf Papier und Leinwand
81 × 130 cm
Inv.-Nr. 2364
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Digitale Sammlung