Heiliger Laurentius, Heiliger Cyriakus, um 1509–10

Sie sehen zwei Heilige – Märtyrer. Sie waren römische Gemeindehelfer im 3. Jahrhundert und fielen der Christenverfolgung zum Opfer: Laurentius wurde auf einen Gitterrahmen gebunden und qualvoll verbrannt, Cyriakus mit kochendem Öl übergossen und anschließend enthauptet. Die virtuos ausgeführten Grisaille-Bilder (von frz. gris, „grau“) zeigen die Diakone als steinerne Skulpturen auf einem Sockel stehend.

Doch wie viel Bewegung und Leben in den Statuen steckt! Insbesondere die unterschiedlichen Stoffe ihrer liturgische Kleidung sind augentäuschend genau wiedergegeben. Die kunstvoll gemalte Zweideutigkeit zwischen Leben und Erstarrung dürfte ursprünglich noch verblüffender gewirkt haben. Denn die Lichtführung, die Grünewald für die Gemälde wählte, entspricht genau dem Lichteinfall an der Stelle in der Frankfurter Dominikanerkirche, für die die Bilder als Teile des von Albrecht Dürer für den Frankfurter Patrizier Jakob Heller gemalten Thomas-Altars gedacht waren. Wer dort vor den Heiligen niederkniete und betete, muss von ihrer Gegenwart ergriffen worden sein, als ob ihm die Blutzeugen lebendig entgegenträten.


Tannenholz
99,1 × 43,0 cm
Inv.-Nrn. HM 36, 37

Digitale Sammlung