Kahnfahrt, 1965

Das Motiv ist nicht erfunden: Richter hat die Vorlage aus einer Illustrierten entnommen – mit dem Foto wurde für Bayern als Ferienland geworben. Ist die Motivwahl zufällig? Ja, weil Richter nie gezielt nach einem Sujet oder Thema sucht. Und nein, weil er sich nur dann für eine Vorlage entscheidet, wenn sie ihn persönlich berührt.

Bei der Umsetzung zum Gemälde nimmt Richter diverse Veränderungen vor, um damit etwas Einschneidendes zu erreichen: Die Inhalte verdichten sich, und im Umkehrschluss öffnet sich das Bild für einen Reichtum an Assoziationen und entsprechenden Reaktionen. Ganz wesentlich dafür sind Richters Verwischungen, die die Darstellung undeutlich machen, zugleich aber auf das Medium der Malerei verweisen. Im Falle der „Kahnfahrt“ hat Richter noch einen weiteren Schritt der Verfremdung vollzogen: Er hat die Schwarzweißvorlage leicht koloriert und den Hintergrund so in eine düstere, fast bedrohlich wirkende Umgebung verwandelt. Von der schönen Urlaubsstimmung bleibt wenig übrig; alles scheint brüchig und abgründig.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© Gerhard Richter


Öl auf Leinwand
150 × 190 cm
Inv.-Nr. DB009
Sammlung Deutsche Bank im Städel Museum