Kinderbildnis, vor 1818

Hier sehen Sie in einer Zeichnung gleich mehrere Möglichkeiten, mit dem Bleistift umzugehen: Die Locken sind mit einer an keiner Stelle ermüdenden Liebe zum präzisen einzelnen Strich gezeichnet. Dabei erstarren die weichen Haare durch die harte Konturierung der einzelnen Strähnen regelrecht – fast wirken sie wie Hobelspäne.

Ganz anders dagegen das Gesicht. Hier hat der Zeichner den Druck auf den spitzen Bleistift so variiert, dass er mal eine schwarze Linie, mal aber nur eine kaum noch wahrnehmbare hellgraue Spur erzeugt. Damit sorgt er insbesondere im Bereich der Augen und des Mundes für eine beeindruckende Lebensnähe. Bei den größeren Flächen handhabt der Zeichner seinen Stift schließlich viel freier. Dort führt er ihn mit leichter Hand und belässt es bei Andeutungen. Übrigens ist nicht klar, ob die Zeichnung wirklich von Overbeck ist. Einige andere Künstler aus seinem Umkreis kommen ebenfalls in Frage. Vieles spricht für Carl Philipp Fohr.

Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Bleistift auf Velin
214 × 186 mm
Inv.-Nr. 15270