Liegender Akt auf weissblau kariertem Grund, 1909

Die Frau ruht verkehrt herum auf dem Bett – mit dem Kopf am Fußende, die Beine zur Seite geknickt. Diese Umkehrung führt zu einem ungewohnten Anblick; auch sorgen die Karos der Bettdecke für eine gewisse optische Verwirrung.

Sie sind links ohne Flucht in die Tiefe gemalt, wie ein senkrechtes Gitter also; rechts hingegen folgen sie den Bewegungen des Tuches und des weiblichen Körpers. Dies ist bezeichnend: In der Kontrastierung von geometrischen und organischen Linien ist das Gemälde ein Grenzgänger zwischen der naturalistischen und der abstrakten Malerei. Während die Liegende noch plastisch und realitätsnah wirkt, malt Bonnard denHintergrund – insbesondere die Wand rechts oben – als Fläche, auf der die Farben losgelöst von jeder illusionistischen Form aus sich heraus wirken können und der Farbauftrag frei improvisiert erscheint. Für Bonnard sind die malerischen Mittel wohl ebenso wichtig wie das Sujet. Es gelingt ihm auf diese Weise ein malerisch komplexes wie intimes Aktgemälde.

© VG Bild-Kunst, Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Öl auf Leinwand
60 × 65 cm
Inv.-Nr. 2158
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.

Digitale Sammlung