Liegender Hund im Schnee, um 1911

Franz Marc interessierte sich als junger Mann sehr für Philosophie und Theologie. Er studierte dann zwar Kunst, blieb dabei aber stets auf der Suche nach einer „Brücke zur geistigen Welt“. Vor diesem Hintergrund ist auch seine Tiermalerei zu sehen. Für ihn waren Tiere Gott näher als der Mensch. Sie erschienen ihm ursprünglicher, seelisch reiner und daher auch schöner. So ruht hier nicht einfach ein Hund im Schnee, sondern ein Geschöpf Gottes im Einklang mit der Natur. Auch die eigenwilligen Farben folgen theoretischen Überlegungen. Als Marc dieses Gemälde schuf, experimentierte er mit prismatischen Lichtbrechungen und Komplementärfarben, stellte eine eigene Farblehre auf: „Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich …“ Was vielen seinerzeit „wild“ vorkam, entstand also aus einer sehr ernsten Beschäftigung.

In diesem Bild erkennt man auch die Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Kubisten. So setzt der Hund sich teils aus eckigen Flächen zusammen, doch lässt Marc die natürlichen Umrisse und die einheitliche Perspektive intakt. Dies ist eines der ersten Bilder, in denen Marc zu der Ausdrucksform fand, die heute im Zusammenhang mit der Gruppierung um den Blauen Reiter weltberühmt ist.

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Öl auf Leinwand
62,5 × 105 cm
Inv.-Nr. 2085
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.

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