Lucca-Madonna, um 1437

Die Lucca-Madonna diente ihrem unbekannten Auftraggeber als individuelles Andachtsbild. Raffiniert nimmt das Bild den Betrachter mit in das dargestellte Zimmer, lässt ihn bei der liebevoll-intimen Situation dabei sein. Der Eindruck entsteht durch die besondere Raumgestaltung: Der Fliesenboden und der Teppich scheinen sich ebenso wie die Seitenwände und das Gewölbe diesseits der Bildebene im Betrachterraum fortzusetzen. Überaus suggestiv sind auch die verschiedenen Materialien und Oberflächen getroffen – Haut, Haare, Stoffe, Teppich, Wand, Glas, Wasser, Metall, Fliesen und Holz.

Doch bei aller Natürlichkeit ist das Bild auch voller symbolischer Bezüge. So verweist die Frucht in der Hand des Christuskindes auf den Sündenfall, dessen Folgen durch die Menschwerdung Gottes überwunden wird. Der löwengeschmückte Thron spielt nicht nur auf den Richterstuhl des sprichwörtlich gerechten Königs Salomon, einen der Vorfahren Christi, an, sondern auch auf das Weltgericht . Der schon zu Lebzeiten weithin berühmte Jan van Eyck, Hofmaler der Herzöge von Burgund, starb 1441. Wenige Jahre vor seinem Tod schuf er dieses Bild, das noch heute durch die Meisterschaft und Konsequenz von Konzept und Ausführung begeistert. Seinen Rufnamen trägt das Gemälde übrigens nach einem Vorbesitzer im frühen 19. Jahrhundert: Damals befand es sich im Besitz des Herzogs von Lucca in der Toskana.


Eichenholz
65,7 × 49,6 cm
Inv.-Nr. 944

Digitale Sammlung