Madonna mit Kind, um 1621–22

Ein Bild ohne eine einzige gerade Linie, ohne Ecken und Kanten. Alles ist weich, rund und fließend, die Stoffe sind flauschig und samtig. Die turbanartig verschlungene Kopfbedeckung symbolisiert geradezu diesen Grundgedanken des Gemäldes, die innige Gemeinschaft von Mutter und Kind. Auch die von Caravaggio bekannten starken Hell-Dunkel-Kontraste sind ohne Härte ausgeführt und sorgen für eine zarte Plastizität.

So findet Guercino, der zu den bedeutendsten italienischen Barockmalern zählt, in jedem Detail und Pinselstrich den Ausdruck für die Wärme und Friedlichkeit der Situation. Doch hat diese Maria keinen Heiligenschein, trägt keinerlei Schmuck – nirgends findet sich ein Zeichen dafür, dass sie die Mutter Gottes ist. Und ebenso natürlich und menschlich stellt Guercino das Christuskind dar. Mit Flaumhaar und Babyspeck ist es ein Säugling wie jeder andere. Auch hebt die asymmetrische, links stark angeschnittene Komposition das Werk deutlich vom typischen Andachtsbild ab – eher zufällig scheint man eine innige Szene zu beobachten. Nur ein Detail weist auf das Besondere dieses Paares hin: Maria lächelt nicht, wie es jede andere Mutter in diesem Moment tun würde. Ihr Blick ist stattdessen von einer andächtigen, beinahe schwermütigen Stille geprägt, wohl wissend, wen sie da im Arm hält.


Leinwand
64 × 50 cm
Inv.-Nr. 2336

Digitale Sammlung

Wandbild bestellen