Oberon, 1963

Unwohl, aber auch seltsam fremd und schwerelos in eine andere Welt versetzt – so fühlt man sich, wenn man vor dieses große Gemälde tritt.

Zu Recht. Denn Georg Baselitz provozierte zu Beginn der 1960er-Jahre mit seinen Bildern bewusst durch die Unmittelbarkeit seiner damals überraschenden figurativen Malerei. Vor dunkelrot-braunem Hintergrund drängen vier in manieristischer Art gelängte Wesen in den Bildraum. Glatzköpfig und mit lang gestreckten Hälsen wachsen sie wie Keime auf die Leinwand – nehmen den Betrachter aus großer Höhe ins Visier. Die Figuren sind weder in einen perspektivischen Raum gesetzt noch in eine Erzählung eingebunden. Der Titel „Oberon“ verweist auf den gleichnamigen mythischen Gott der Zwerge und Elfen aus Shakespeares „Mittsommernachtstraum“. Die fremden Wesen sind Sinnbild einer Gegenwelt, die nicht Teil unseres Alltags ist – genau wie die Malerei Baselitz’, die nicht Realität abbildet, sondern eine eigene, zuweilen fremde malerische Wirklichkeit entwickelt.

„Oberon“ gilt heute als ein Schlüsselwerk für das Œuvre des Künstlers und für die Entwicklung der Nachkriegsmalerei. Zur Zeit der Entstehung hingegen schockierte Baselitz durch seine Gemälde ebenso wie durch seine kraftvollen, vulgär poetischen Äußerungen in den sogenannten „Pandämonischen Manifesten“.

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© Georg Baselitz


Öl auf Leinwand
250 × 200 cm
Inv.-Nr. 2325