Ohne Titel, 1956

Zwischen Ihnen und dem Bild steht kein Titel – kein Begriff lenkt Ihre Gedanken. Vielmehr können Ihr Blick und das Werk frei interagieren. Sie werden von der großen, breiten Bewegung angezogen, die links oben einsetzt und im Bildzentrum einen elliptischen Wirbel bildet. Die links und rechts durch die Bildränder beschnittenen Bahnen jagen schließlich senkrecht zur diagonalen Ebene des Strudels aus der unteren rechten Bildecke hinaus. Die Dynamik der Komposition überträgt sich unmittelbar auf den Betrachter, wenn er versucht, die Bewegung mit den Augen nachzuvollziehen.

Um Bilder wie diese zu „malen“, musste Götz eine eigene, neue Technik erfinden. Auf der Suche nach einem Material für eine energetische und körperbetonte Malweise stieß er auf die Kombination aus Kleister und wasserlöslichen Farben. Die breiten, flächigen Bewegungen führte er mit Rakeln aus (Abstreifhölzer verschiedener Breite). Dies ermöglicht einen spielerischen und spontanen Gestus, bei dem Götz auf die Kontrolle der Details bewusst verzichtet – jedoch zugleich elegant zu komponieren vermag. Er wurde damit zu einem wichtigen Impulsgeber der gestisch-informellen Malerei.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

© VG Bild-Kunst


Acryl auf Leinwand
122 × 91 cm
Inv.-Nr. 2356