Ohne Titel (Drehung), 1979

Seit den 1960er-Jahren nutzte Sigmar Polke bedruckte Stoffe als Bildträger. Die zwei aneinandergenähten Stoffbahnen gehören der Welt der Warenästhetik an, die ihrerseits moderne Kunst zitiert. Auf dieses „Original“- Material malte Polke drei unterschiedliche Szenen im Comic-Stil. Er agiert hier also – als seine besondere Antwort auf die amerikanische Pop Art – in einem augenscheinlich beliebig reproduzierbaren Modus. Der „Held“ des Bildes ist der Mann mit dem Geldbündel. Er vollführt von unten rechts eine spiralförmige Drehung, bis er in der Bildmitte auf dem Kopf steht. Polke überlagert die Figuren in einem anarchistischen Gestus mit gelber, blauer, orangefarbener und schwarzer Farbe.

Dies mag auch als Ansage an uns Betrachter zu verstehen sein: Polkes Kunst will nicht den vordergründigen Hunger des Publikums nach Sinn und Erklärung sättigen. Er verweigert sich der einen gültigen Interpretation, ebenso der einen Perspektive. Vielmehr lässt Polke unsere Gedanken ebenso in Bewegung wie die Akteure auf der Leinwand.

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© VG Bild-Kunst


Öl, Acryl und Sprühfarbe auf Dekostoff
230 × 200 cm
Inv.-Nr. DB 019