Pulcinellas Vater führt seine Braut nach Hause, um 1797

Im Alter von 70 Jahren begann Giovanni Domenico Tiepolo den Zyklus zum Leben des Pulcinella zu zeichnen. Pulcinella, eine populäre Figur mit buckeliger Gestalt und auffälligem Kostüm, entstammt der Commedia dell’Arte. Frei von literarischer Vorgabe ersann Tiepolo über hundert Episoden, in denen er das turbulente Leben des Pulcinella schilderte: von der Eheschließung der Eltern über die Geburt des Protagonisten bis zu seinem Tod. „Pulcinellas Vater führt seine Braut nach Hause“ ist, wie alle übrigen Szenen, mit Feder und Pinsel in nuancierten Brauntönen ausgeführt. Das Ereignis wird wie auf einer Bühne präsentiert. Den Vordergrund beherrscht eine horizontal aufgereihte Schar. Inmitten des dicht gedrängten Publikums ist das ungleiche Brautpaar auszumachen: Die skurrile Gestalt des Bräutigams verschwindet hinter der Schönheit der Braut, die vor allem durch ihre Kleidung und ihre Haltung Würde und Anmut ausstrahlt. Anders als sein Vater Giovanni Battista, der sich bereits mit der Pulcinella-Figur beschäftigt hatte, setzte Domenico das Treiben der burlesken Figur als satirisches Spiegelbild der Gesellschaft ein und kündigte damit einen grundlegenden historischen Wandel im ausgehenden 18. Jahrhundert an.

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Feder und Pinsel in Braun über schwarzer Kreide auf geripptem Bütten
355 x 470 mm
Eigentum Städelscher Museums-Verein e. V.