Rotklang, 1962

Nays Bilder richten sich nicht an Ihren Verstand, sondern an Ihre visuelle Sensibilität. Dies gilt insbesondere für seine Werke nach 1951, die keine gegenständlichen Bezüge mehr haben, sondern ihre Wirkung wesentlich über das Mit- und Nebeneinander der Farbkomposition entfalten. Rotklang ist eines der letzten Gemälde aus der Werkphase der Scheibenbilder (1954–62).

Die Entstehung der Farbscheiben beschrieb Nay als „die natürliche Ausbreitung der Farbe im Prozess des Malens“. Die sich in runden Bewegungen vergrößernden Farbpunkte treten für das Auge automatisch in Beziehung zueinander – als Kontrast, Harmonie oder Intensivierung. Was auf den ersten Blick als ein Akt spontaner Expression erscheint, ist tatsächlich sorgfältig komponiert, um einen geschlossenen „Klang“ zu erzielen, bei dem jeder Ton wohlgesetzt und komponiert ist. Nay ist einer der wichtigen Vertreter der informellen Malerei und zugleich – mit seiner figurativen Malerei – zentrales Bindeglied zur europäischen Vorkriegsavantgarde.

© VG Bild-Kunst


Öl auf Leinwand
240 × 190 cm
Inv.-Nr. 2095
Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.