Tapié grand-duc, 1946

Dies ist kein klassisches Porträt, weder in seiner Malweise noch in seinem Wunsch, das exakte Ebenbild eines Menschen abzubilden. Mit etwas gutem Willen sind zwar Züge des Kunstkritikers Michel Tapié darin zu erkennen, aber ein naturgetreues Bildnis seines Freundes und Theoretikers wollte Dubuffet, der auch zur Art Informel gezählt wird, nicht schaffen.

Für seine besondere Art der Darstellung bediente er sich einer ungewöhnlichen Technik: Er grundierte die Leinwand zunächst mit einer breiigen Masse aus Gips und Ölfarbe. Das Bild erhält dadurch die raue Oberfläche, die an die Plastizität einer grob verputzten Mauer erinnert. Mit wenigen Strichen ritzt Dubuffet das Gesicht in diesen rauen Malgrund. Man mag sich an Wandkritzeleien und -gekrakel erinnert fühlen, an Graffiti, an Kinderzeichnungen oder an die Kunst von Geisteskranken. Letztere bezeichnete Dubuffet als Art Brut. Er schätzte an ihr das Ursprüngliche, das Ungefilterte, Anti-Intellektuelle wie auch den spielerischen Spaß des Produzierens.

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© VG Bild-Kunst


Öl auf Gips auf Leinwand
83 × 67,5 cm
Inv.-Nr. SG 1252