Venus, 1532

Venus ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Als Teil der antiken Mythologie war sie in der Renaissance wieder en vogue. Bei Lucas Cranach d. Ä., dem Freund Luthers, finden sich Venusdarstellungen gleich mehrfach. Das Spezielle an unserer kleinen Holztafel ist, dass der Maler die Venus hier merkwürdig entmythologisiert zeigt, denn sie hat weder den Amorknaben bei sich, noch gibt es einen erzählerischen Zusammenhang.

Zu sehen ist also zunächst einfach ein Aktbild, das jedoch Irritationen hervorruft: Der wertvolle, zeitgenössische Kopf- und Halsschmuck der Frau zeigt ihren gehobenen Stand – doch hätte sich damals eine Adelige niemals nackt malen lassen. Venus nimmt eine anmutige Pose ein, wobei der nebelfeine Schleier nicht zuletzt die Funktion hat, den Armen ihre elegante Bewegung zu ermöglichen. Bemerkenswert ist auch, wie Cranach mit dem Licht verfährt.

Die Nackte steht in vollem Licht, doch der Hintergrund versinkt bereits unmittelbar hinter ihr in eine kosmische, unerklärliche Dunkelheit. Wir kennen solche Effekte heute von Fotos oder Bühnenbildern. Zur Zeit Cranachs war dies eine irreale Lichtstimmung, die kaum einer Irdischen zugekommen wäre. Eine so rätselhafte, verführerische und intime Darstellung wird am ehesten für eine private Kunstkammer entstanden sein.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.


Buchenholz
37,7 × 24,5 cm
Inv.-Nr. 1125