Villa am Meer, 1871–1874

Hier zu wohnen muss doch fantastisch sein. Eine herrliche Villa direkt am Meer, umgeben von altem Baumbestand – wäre hier nicht die unglaubliche Leichtigkeit des Seins zu erleben? Doch Böcklin hat den Zauber der Idylle aufgebrochen. Er lässt eine melancholische, von Schweigen erfüllte Stimmung entstehen, die den ganzen Ort erfasst. So wirkt die schwarze Gestalt am Strand tragisch erstarrt. Die Bäume und das Gebüsch scheinen das Gebäude fast zu überwuchern. Und obendrein naht hinter dem im Abendlicht brennenden Himmel die Dunkelheit.

Böcklin wollte aber nicht nur ein melancholisches Gefühl darstellen – er wollte zu einer gedankenreichen Malerei vorstoßen, in der die Dinge mehr bedeuten, als sie faktisch erscheinen. So konfrontiert er in diesem Gemälde das ewig gleichbleibende und alles überdauernde Meer mit den menschlichen Werken, die wieder zerfallen und verschwinden. Der große Seufzer, der aus diesem Bild herausklingt, macht dem Betrachter bewusst, dass er nichts Ewiges schafft, sondern dass die Zeit alles überspült. Das betrifft auch die Kunst. Sie wird symbolisiert durch die Skulpturen auf dem Dach der Villa – auch an ihnen nagt die Zerstörung.

Weitere umfangreiche Informationen zum Werk, darunter Texte, Audiodateien oder Webfilme, finden Sie in unserer Digitalen Sammlung.

Foto: Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK


Öl auf Leinwand
108 × 154 cm
Inv.-Nr. 1260

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