Zwei Hexen, 1523

Nur selten wurden in der deutschen Renaissancemalerei Hexen zum Bildthema gemacht. Dieses Gemälde des zeitweilig mit Albrecht Dürer zusammenarbeitenden Hans Baldung ist eines der frühesten. 1523 dürfte ein kunstsinniger Humanist dieses Bild für seine Kunstkammer bestellt haben – nicht nur zum Ansehen, sondern auch als Beitrag zu den Debatten seiner Zeit. Gesprächsstoff bietet es genug, denn Baldung hat hier mehrere Themen und künstlerische Absichten kunstvoll miteinander verflochten.

Vor schwefelgelbem, wolkenverhangenen Himmel sehen wir vier eng gedrängte Gestalten – zwei verführerische weibliche Aktfiguren, einen Knaben und einen Ziegenbock. Der kraftlose Ziegenbock, ein Sinnbild des Teufels, scheint unfähig, die üppige Hexe, die auf ihm Platz genommen hat, zu tragen – ein deutlich ironischer Kommentar zum damaligen Hexenwahn. Das drachenartige Wesen, das in den Glaskolben eingesperrt ist, steht symbolisch für Quecksilber, welches in Salben gegen die Syphilis-Epidemie verwendet wurde, die seit 1495 in Europa wütete. Dessen ungeachtet schaut eine der beiden Hexen den – männlichen – Bildbetrachter ungeniert mit herausforderndem Blick an.

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Lindenholz
65,3 × 45,6 cm
Inv.-Nr. 1123