Zwei proletarische Erfinderinnen auf dem Weg zum Erfinderkongress, 1984

Hier ist der Titel entscheidend. Er ist – wie oft bei Kippenberger – Teil des Konzepts. Der Maler öffnet eine ironische Kluft zwischen dem Gesehenen und dessen Bezeichnung. Aber wem oder was gilt die Ironie?

Hinter den beiden dynamisch ausschreitenden Frauen ist ein graues Rechteck zu sehen. Es lässt sich als Anspielung auf den Suprematismus deuten – eine Kunstrichtung, die die sozialistische Utopie abstrakt überhöhte. Die offizielle kommunistische Kunstdoktrin war jedoch der sogenannte sozialistische Realismus – in diesem Stil wiederum hat Kippenberger die beiden Erfinderinnen gemalt. Hinterfangen ist die graue Bildmitte von einem expressiv tosenden Farbstrudel. Der malerische Gestus erinnert an die im Kommunismus verfemte und im Westen hoch gehandelte informelle Malerei. Die Ironie Kippenbergers geht so in mehrere Richtungen. Mit seinen Stilzitaten macht er sich über abstrakte Utopien ebenso wie über Malerei nach politischen Vorgaben lustig – vielleicht sogar generell über die Indienstnahme der Malerei für die Ideologie.

© Martin Kippenberger


Öl und Silikon auf Leinwand
160 × 133 cm
Inv.-Nr. 2234

Digitale Sammlung