DIRCK HALS

Fröhliche Gesellschaft

um 1620

Öl auf Holz
Inv. Nr. 1587 (Erworben 1918 als Vermächtnis Dr. Fritz Berg)

49 × 73 cm

zur  Biographie

Zwei entlang den seitlichen Bildrändern aufragende graue Pfeiler rahmen den Blick in einen herrschaftlichen Garten. Wie eine Kulisse hinterfängt dieser eine fröhliche Gesellschaft in festlichen Gewändern, die sich um einen in der Bildmitte stehenden Tisch versammelt hat. Auf einem weißen Tuch, das noch die säuberlichen Bügelfalten erkennen lässt, sind üppige Speisen arrangiert: Neben einem flachen, mit weißen Kerzen geschmückten Kuchen stehen mehrere gedeckte Pasteten, die noch weitgehend unberührt sind. Zwei auf den vorderen Tischecken liegende zerknüllte Servietten rahmen einen umgestürzten goldenen Trinkpokal, ein Brötchen und einen Zinnteller mit Speiseresten, an dessen Rand zwei Zitronen abgelegt sind. Links neben dem Tisch sitzt ein junger Mann auf einem dreibeinigen Schemel. Er trägt ein auffallend modisches gelbes Seidengewand und hat einen schwarzen Hut mit gelber Feder in der Hand. Mit der anderen greift er nach der Hand einer jungen Frau, die links neben ihm steht. Ein üppiger weißer Stehkragen betont ihr Dekolleté; Juwelen und ein großer Fächer aus Straußenfedern unterstreichen ihre luxuriöse Aufmachung. Hinter dem Tisch sitzt links ein weiteres Paar. Der Mann mit einem hohen grauen Hut hebt fröhlich grüßend einen Berkemeyer empor, währen sich die Frau neben ihm nach vorne beugt. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt eine Dreiergruppe: Ein dicker Mann, über dessen Bauch eine goldene Kette herabhängt, hält zwei Frauen umfasst. Die Frau rechts von ihm, gekleidet mit einem golddurchwirkten roten Kleid mit einem üppigen gekrausten Mühlsteinkragen, hält mit ihrer rechten Hand einen Berkemeyer mit der Öffnung nach unten, während sie ihren Blick nach links auf das emporgehaltene Glas richtet. Die Frau auf der linken Seite des dicken Mannes trägt ein grünes Kleid mit ausladendem Spitzenkragen und einen Lorbeerkranz im Haar. Auf ihre Schulter stützt sich ein Mann mit grünrotem Wams, das mit Bommeln geschmückt ist. Seine Finger formt er zu einer obszönen Geste: Mit den Fingern seiner rechten Hand bildet er einen Ring, in den er den Zeigefinger seiner anderen Hand hineinsteckt, während er die Frau anblickt. Von hinten tritt ein lachendes Paar in einfacheren Gewändern heran. Rechts wendet sich ein Diener mit einem Tablett voller Gläser über seine Schulter zurück. Er lenkt den Blick auf ein Liebespaar, das im Hintergrund rechts in einen Laubengang entschwindet. In der linken unteren Bildecke liegen zwei Melonen und unter dem Tisch einige Muschelschalen. Um den goldenen Weinkühler am rechten Bildrand sind einige Rosen verstreut. Eine Hecke, hinter der drei Zypressen aufragen, hinterfängt die Gruppe am Tisch. Vor den Bäumen sind zwei Stangen aufgestellt, zwischen denen eine weinrote Draperie aufgespannt ist. Links im Hintergrund ist die aufwändig gestaltet klassizistische Architektur einer Palastfassade zu sehen.



Zur Schenkung des Werkes:
Fritz Berg (1864?1918) war Sohn des Rechtsanwaltes, Notars und Frankfurter Bürgermeisters Karl Nikolaus Berg (1826?1887). Fritz Berg starb 1918 „im Kampf fürs Vaterland im Felde“ - so nachzulesen in dem von seinem Bruder Dr. Alexander Berg (1868?1960) unterzeichneten Nekrolog in der Frankfurter Zeitung vom 15. Oktober 1918. Vermutlich war Alexander Berg auch der Initiator dieses Kunst-Vermächtnisses. Seit 1904 war er Mitglied der Städel-Administration. Späteren Berichten Alexander Bergs zufolge existierte im Bergschen Familienbesitz eine umfangreiche Sammlung von Gemälden und graphischen Werken. Gemeinsam mit diesem Gemälde ging ein flämisches Madonnengemälde, um 1520, als Schenkung an das Städel Museum.
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