JAN VERMEER VAN DELFT

Der Geograph

1669

Öl auf Leinwand, doubliert
Inv. Nr. 1149

52 × 45 cm

zur  Biographie

Ein Gelehrter im Hausmantel bei der Arbeit: Kartenmaterial, der Globus auf dem Schrank und der Stechzirkel in seiner Hand weisen ihn als Geographen aus. Im Raum verteilte Fachliteratur unterstreicht das theoretische Fundament; der Mann stützt sich im Wortsinn auf ein Buch. Doch unterbricht er seine durch und durch rationale, quantifizierende Aktivität und hält einen Moment lang inne, um auf das wirkliche Leben vor dem Fenster zu blicken. Damit wird die Szene letztlich zur Chiffre für Vermeers eigenes Schaffen, das sich aus beiden Quellen nährt, der perspektivischen Konstruktion einer Raumecke ebenso wie der eindringlichen Charakteristik der Erscheinung alltäglicher Gegenstände in Licht und Raum. Erstere basiert auf exakter Wissenschaft, letztere bleibt Domäne der Kunst und ist der eigentliche Ruhmestitel von Vermeers Malerei. Erweitert wird die Aussage durch ein Pendant (Paris, Louvre), das einen – vielleicht denselben – Gelehrten als Astronomen darstellt. Der Sternkundler braucht den Blick aus dem Fenster nicht, sondern konzentriert sich ganz auf einen Himmelsglobus und auf das vor ihm liegende Lehrbuch. Dementsprechend ziert dort keine schlichte Seekarte, sondern ein gedankenschweres Historienbild die Rückwand.
12345  Bewertung: (5.00)

Meister der Farbe sagte:
Wir wollen sicher keine Künstler-Konkurrenz eröffnen. Aber Yves Kleins Blau auf ein Badetuch zu reduzieren ist schon vermessen. Seine farbpsychologischen Experimente haben eine ungeheure Wucht. Seine Vorreiterrolle für Konzeptkunst, Popart etc. sind erwiesen. Und auch nach über 40 Jahren hat dieses (patentierte) Ultramarin eine ungeheure Sogwirkung.
Der blaue Kittel des Geographen von Vermeer eröffnet Nuancen einer anderen Interpretation dieser Farbe, die freilich ebenfalls begeistern kann. Und gerade das Blau führt uns doch viel weiter: Wie würde dieser Kittel von den Romantikern interpretiert? Novalis hätte sicher einiges dazu zu sagen. In seinem Roman "Heinrich von Ofterdingen" steht die Farbe für die Ferne, die Hoffnung. Ein Sinnbild für die Suche nach Erfüllung. Und markiert das nicht genau auch einen Impuls des Geographen: die Sehnsucht nach der Ferne, das Bemühen um das Begreifen (und Erfassen) einer unbekannten Ferne?
Geschrieben um: 26.05.2009 22:05
Griffel sagte:
In der Community- Galerie "Blau/blue" gibt es nicht nur Bilder zu betrachten, sondern auch etwas zu lesen - einen, sage wir mal, schwärmerisch-lyrischen Versuch über die genannte Farbe (und die dort gestellten Fragen sollte man am ehesten singend beantworten; "The answer, my friend, is blowin´ in the wind...")
Aber zurück zu den Bildern. Als "Meister des Blau" werden u.a. gezeigt Blinky Palermo und Vermeer.
Hier stock´ ich schon und frage; Soll dies eine Gleichstellung bedeuten? Vermeers Glanzstück der Feinmalerei mit allem was dazu gehört (also, die Beherrschung des Materials, Valeurs, Licht- und Schattengestaltung, die perspektivische Konstruktion des Raumes, die Komposition überhaupt) und ein o.T, das auch an einen schlicht-biederen Gestaltungsvorschlag für ein Badetuch erinnert? Alles rinn in den großen Pott mit Blau? Ohne Rücksicht auf Qualität, Entstehungszeit und herausgelöst aus jedem Zusammenhang? All is pretty? Wenn das so gemeint ist, dann: Hillf, heiliger Lapislazuli !

Geschrieben um: 11.05.2009 19:39
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