FRANCIS BACON
Studie für die Krankenschwester in dem Film "Panzerkreuzer Potemkin" von Eisenstein
1957
Öl auf Leinwand
Inv. Nr. SG 1248
198 × 142 cm
Im Mittelpunkt des Schaffens des Engländers Bacon stehen der isolierte menschliche Körper und dessen Verwundung und Verunstaltung. So ist es begreiflich, dass ihn die Filmszene der sterbenden, ins Auge geschossenen Kinderfrau aus Sergej Eisensteins 1925 zum Jubiläum der russischen Revolution von 1905 erschienenen Film „Panzerkreuzer Potemkin“ als Motivquelle interessierte. Als Vorlage verwendete Bacon eine Standaufnahme, die er mit malerischen Mitteln auf die Leinwand transformierte. Die Kinderfrau steht nicht mehr, wie im Film zu sehen, auf dem Absatz einer Treppe, sondern befindet sich schemenhaft unscharf, nackt, auf einer fragilen Schaukel sitzend und schreiend in einem zwangszellenartigen Gehäuse; die Brille hängt ihr zerbrochen von der Nase herab, während Blut aus ihrem Auge fließt. Bacon hat seiner Figur den räumlichen Halt und den Bezug zur Umwelt genommen, um den Gestus des Schreis, einem seit der Malerei des Barock tradierten Motiv, zu gewaltsamer Expressivität zu steigern. In Bacons Œuvre ist der um Schrei geöffnete Mund das dominante Motiv, um Schmerz, Leid und Schrecken zu evozieren.











Ich kenne kaum ein Bild, dass eine Wirkung auf mich hat wie dieses. Mir läuft es richtig kalt den Rücken herunter, so realistisch wirkt der Schmerz der dargestellten Person. Sie wirkt so hilflos, in der Luft hängend. Auch die verkrümmte Haltung ihres Körpers verstärkt ihr Leid.
Ein grauenhaft, aber auch bewundernswertes Bild.